Ereignis : das auslösende Moment

Die Art und Weise, wie wir Ereignisse benennen,
verrät unsere Sichtweise, unseren Platz in der Welt.

📍 Ein Ereignis und seine Bedeutung

Was passiert wirklich, wenn uns ein Ereignis erschĂĽttert?
Drei Arten, es zu interpretieren, drei Wege, um daran zu wachsen.

Vom Bruch
zum Wendepunkt

Unser Gehirn verdrängt systematisch den Gedanken, dass unser Leben von unvorhersehbaren Ereignissen bestimmt sein könnte. Stattdessen wiegt es uns in der trügerischen Illusion, dass wir unser Schicksal selbst in der Hand haben.


Wenn wir beginnen, selbst kleinste Irritationen im Alltag wahrzunehmen, befreien wir uns schrittweise von der intellektuellen Abhängigkeit.

Dann hören wir eine andere Stimme – unsere authentischeinnere Stimme, die keine Angst kennt.

Wir nehmen Abstand von den Ängsten, mit denen wir uns identifiziert hatten, und stellen unser Gehirn wieder in den Dienst unserer bewussten Entscheidungen. Das Gehirn wird zum Werkzeug – nicht mehr zum Herrscher.
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Entdecken, was uns in der Realität verankert: das EREIGNIS

Drei Schichten des Ereignisses

Im scheinbar linearen Fluss des Lebens erscheint das Ereignis als Störung. Es unterbricht, verunsichert, durchkreuzt Gewohnheiten. Doch wenn wir es durchleben und integrieren, kann es zum Wendepunkt werden.

1. Das Ereignis als Folge von Kausalität

Früher wurde ein Ereignis als Schlussstein einer Kette verstanden – als Urteil oder Schicksal. Heute sucht man eher den „Grund“ für etwas. Das Bedürfnis nach Erklärung bleibt.

Holofeeling-Ansatz: Anstelle starrer Ursachen tritt eine Einladung zur inneren Umkehr. Nicht „warum“, sondern „wofür“.

2. Das Ereignis als etwas, das mir geschieht

Jetzt wird das Ereignis subjektiv: „freudig“, „traurig“, „unbegreiflich“. Die Bewertung rückt in den Vordergrund. Es ist der Blick – nicht die Ursache – der das Gewicht bestimmt.

„Nicht die Dinge beunruhigen uns, sondern unsere Sicht auf die Dinge.“ – Epiktet

3. Das Ereignis als unerwarteter Bruch

Ein Riss. Eine Öffnung. Etwas dringt von außen ein. Das ist Kairos – der richtige Moment, jenseits jeder Planung. Er kann nicht vorhergesehen, aber vorbereitet werden.


IBM: Ein ethischer GrĂĽndungsimpuls

IBM wurde zwar nicht von Mormonen gegründet, doch Thomas J. Watson Sr., der visionäre CEO, prägte das Unternehmen mit einer ethischen Kultur, inspiriert vom Methodismus. Sein Leitspruch: Respect – Service – Excellence.

Auch wenn viele diese Wurzeln vergessen haben, wirken sie weiter – wie ein unsichtbarer Gründungsfunke im Kollektivbewusstsein.


Pierre Gardelle: Vor dem Anstieg atmen

Der französische Therapeut Pierre Gardelle stellte fest: Wer vor dem Treppensteigen tief ausatmet, bleibt oben erstaunlich fit. Dieser kleine Impuls verändert alles.

Eine starke Metapher: Durch Übung im Kleinen (Alltagsstress, Mini-Schocks) wächst unsere Fähigkeit, mit großen Brüchen umzugehen. Mikro-Kairos wird zur Lebensschule.


Schlussfolgerung: Das Ereignis als Spiegel

Ein Ereignis zeigt nicht nur, was geschieht – sondern wie wir begegnen. Es spiegelt unser Verhältnis zu Zeit, Welt und Selbst. Es lädt ein, aus der Reaktion in die Resonanz zu treten.

Übung: Jeden Tag einen Mikro-Kairos bewusst begrüßen – ein Umweg, eine Störung, ein leeres Feld – als Einladung zum Jetzt.

„Keine große Wandlung ohne einleitendes Ereignis. Und kein Ereignis ohne unser unbewußtes Zutun“